Susann Barczikowski: Innere Unruhen

„Inner Unrest“, so der Titel dieses Graffito, das ich vor ein paar Tagen am Parkdeck an den Salinen an der Schwalheimer Straße entdeckt und fotografiert habe. Es zeigt eine junge Frau, in deren Blick Angst und Sorge liegt. Da dieses Wandgemälde sich in der Nähe des Schulzentrums befindet, könnte es stellvertretend für die Ängste von Schüler:innen stehen, die eine schwierige Prüfung ablegen müssen. Vielleicht drückt das Bild aber auch eine diffuse Angst vor der Zukunft aus. Diese Angst vor Ungewissem kann zu einer Störung des psychischen Gleichgewichts führen und körperliche Symptome wie Zittern, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche und Herzrasen auslösen. In Zeiten von Corona kann sich diese Zukunftsangst verstärken, sagen Psychologen.
Unter „Innerer Unruhe“ versteht man aber auch, „wenn zahlenmäßig nicht unerhebliche Teile der Bevölkerung in einer die öffentliche Ruhe und Ordnung störenden Weise in Bewegung geraten und Gewalt gegen Personen oder Sachen verüben“.
Die Krawalle der „Partygesellschaft“ in Stuttgart und die Aufstände in Den Haag mit üblen Gewaltausschreitungen gegen Menschen, mit Plünderungen und Sachbeschädigungen der vergangenen Tage sind erschütternd. In Frankreich eskalierten die Unruhen und endeten in brutaler Gewalt. Erklärungen tun jetzt Not. Denn die Frage „Warum?“ beschäftigt nicht nur Politiker. Der Sozialpsychologe Ulrich Wagner, Uni Marburg, deutete am Sonntagabend in den Tagesthemen die Exzesse „als Ersatz für Einschränkungen und fehlende Angebote in der Corona-Krise“.
Das macht mir Angst.

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