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Petra Ihm-Fahle: Beziehungen klären

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

In der Corona-Zeit habe ich wie zahlreiche andere Menschen auch an meiner Wohnung gearbeitet. Während der ersten Wochen räumte ich viel auf, kürzlich besserte ich reparaturbedürftige Stellen aus. Nicht nur wegen Corona, es musste sowieso sein. Aber diese Phase bot mir eine Menge Zeit dafür.

 

Mein Badezimmerfenster hat eine symbolische Bedeutung für mich, dabei geht es um Beziehungen, bilde ich mir ein. Es liegt von innen direkt an der Badewanne/Dusche und von außen an der Wetterseite des Hauses. Daher war es irgendwann mal nötig, den Kitt zu erneuern und den Rahmen zu streichen. Die Innenseite habe ich schon vor zwei Jahren gemacht und hatte dabei das geistige Bild vor Augen, eine Beziehung zu „kitten“, mit der ich überkreuz lag. Diese Klärung ging ich anschließend an, es gelang mir einigermaßen. Holperig allerdings, es sieht noch nicht doll aus.

  

Was die Außenseite betrifft, wartete ich bis vor Kurzem. Ich dachte immer, dass auch dann eine Beziehungsklärung anstünde, allerdings weniger aus meinem eigenen Inneren heraus, sondern aus dem einer anderen Person.

Vor ein paar Wochen brachte ich die Außenseite bei schönem Wetter nun in Ordnung, es war unproblematisch. Ich hatte meine Renovierungsarbeiten, für die ich Material benötige, nicht in die erste Phase der Corona-Krise gelegt. Denn ich konnte mir nicht vorstellen, mich in den Pulk der Baumarkt-Gänger einzureihen. Jetzt aber war die Zeit gekommen. Und witzigerweise bekam ich spontan Lust, einer Bekannten eine E-Mail zu scheiben und sie um eine Beziehungsklärung zu bitten.

 

Über die Sache, derentwegen wir etwas klären mussten, will ich hier nicht schreiben, sondern über den Verlauf unseres Treffens. Wir kamen dieser Tage zu einem Kaffee zusammen und sprachen. Es war unerfreulich. Die Frau war sachlich und höflich, andererseits blieb sie kühl und im Grunde unversöhnlich, am Ende beleidigte sie mich sogar. Vermutlich wird sie über mich ähnlich denken, sinngemäß „Da ist Hopfen und Malz verloren“.

 

Es kam also etwas ganz anderes bei dem Gespräch heraus, als erwartet. Ich hatte an eine Versöhnung im Sinne von „Alles ist gut“ gedacht und war nun geknickt. Nach einem Tag war die Sache für mich aber in Ordnung. Denn ich glaube, manches durchschaut zu haben und fühle keine Schuld mehr. Der Fall ist erledigt.

 

Nun reizt mich die Innenseite meines Fensters aber erneut, da muss ich noch mal ran. Was das wohl bringt? Ich bin gespannt.        

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