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Rita H. Greve - Entschluss

Foto: Greve
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Anfang April rief mich mein Zahnarzt an, um meinen Kontrolltermin abzusagen, da er bis auf Weiteres nur Schmerzpatienten behandeln würde. Er war mir zuvorgekommen. Ich hatte dieselbe Idee, weil ich mich in Corona-Zeiten nicht in ein volles Wartezimmer setzen wollte. Wir haben einen neuen Termin im Oktober vereinbart.

Alle weiteren im April/Mai fälligen Termine bei anderen Ärzten habe ich ebenfalls in den Oktober verlegt. Jetzt bezweifle ich, ob meine Entscheidung richtig war. Es wäre vielleicht sicherer, alles in den Sommermonaten zu erledigen.

Ich habe nämlich gelesen, dass die Ausbreitung des Virus durch einen „Sommereffekt“ gemildert wird. Der Effekt beruht auf Wärme und darauf, dass man sich eher im Freien aufhält. Im Freien verflüchtigen sich ausgestoßene Viruswolken wesentlich schneller als in Innenräumen. Und UV-Licht macht Viren schneller unschädlich. Deshalb gehen wohl auch die Infektionszahlen – außer in ein paar unlängst aufgetretenen "Hotspots" – weitgehend zurück.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen, wie rasch die Tröpfchen verdunsten, über die das Virus etwa beim Sprechen, Singen oder Husten von Mensch zu Mensch getragen wird. Desweiteren wird SARS-CoV-2 auch über Aerosole – winzige Tröpfchenkerne aus Flüssigkeit und Virenpartikeln – übertragen. Sie können lange in der Luft bleiben und sich in geschlossenen Räumen ansammeln, über Stunden halten und infektiös sein. Ein Atemstoß enthalte etwa Tausend Teilchen, so der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch.

 

Ähnlich wie auch Grippeerreger sind Coronaviren generell im Winter am aktivsten. "Wenn es kälter wird, wird das Virus besser übertragen", so der Virologe Drosten. Er hält das vermehrte Zusammensein in geschlossenen Räumen im Herbst/Winter für einen entscheidenden Faktor beim Ausbreitungsrisiko. Das spräche also gegen einen längeren Aufenthalt in einem Ärzte-Wartezimmer in den Herbst/Winter-Monaten. Denn trockene Raumluft lässt die Tröpfchen mit den Viruspartikeln eintrocknen. So bleiben diese länger infektiös.

Ob es im Herbst und Winter zu einem rasanten Anstieg der Fallzahlen kommen wird oder nicht, hängt Experten zufolge vor allem von der Zahl der Infizierten im Spätsommer ab. Also davon, wie gut es gelingt, Infektionsketten früh aufzuspüren und zu unterbrechen. Und nicht zuletzt von unser aller Verhalten. Und genau da liegen meine Bedenken. Auf die Vernunft meiner Mitmenschen möchte ich mich nicht verlassen, werden doch zur Zeit die Abstandsregeln schon kaum mehr beachtet, vom Tragen des Mund-Nasenschutzes gar nicht zu reden. Und Abstandhalten und Masken bleiben nun mal unabdingbar, solange weder ein Impfstoff noch ein wirksames Medikament gegen dieses unsägliche Virus vorhanden ist.

 

Mein Fazit: Ich werde versuchen, meine längst fälligen ärztlichen Kontrolltermine doch noch im Sommer zu erledigen, da das Ansteckungsrisiko geringer scheint. Denn wenn die Fallzahlen im Herbst/Winter tatsächlich wieder rasant ansteigen sollten, könnte es mir möglicherweise im Oktober erneut passieren, dass ich meine Termine absagen muss. Das könnte dann möglicherweise weitreichende gesundheitsschädliche Folgen haben!

 

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