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Petra Ihm-Fahle: Angst vor Jobverlust

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Bekannte machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, sie sind bei Fraport beschäftigt, der Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt/Main. Wegen der Einbrüche in der Reisebranche plant Fraport angeblich einen massiven Stellenabbau. 

 

Selbst wenn die Corona-Pandemie vorbei sein sollte, geht das Unternehmen davon aus, dass nicht mehr so viele Menschen wie früher fliegen. In vielen Fällen haben Geschäftsleute gute Erfahrungen mit Online-Konferenzen gemacht und werden das fortsetzen. Andere haben kein Geld mehr, zu reisen. Laut einem Bericht der Deutschen Verkehrszeitung ist geplant, bis zu 3000 Stellen zu streichen.

 

Wenn ich davon höre, denke ich an einen Flug zurück, lang ist ’s her, über zehn Jahre. Meine Mutter hatte meinen Sohn und mich auf eine Reise nach Ischia eingeladen. Ich erinnere mich gerne daran, an das Flair, das gute Wetter, an die Flughafen-Buchhandlung und die Lektüre, die ich mir dort kaufte: „Glück kommt selten allein“ von Eckart von Hirschhausen. Das Buch war sensationell, es war etwas ganz Neues und zog viele andere Glücksratgeber auf dem Buchmarkt nach sich. Ich las sehr viele davon, arbeitete sie regelrecht durch und wurde zu einer Art Glücksexpertin. Es wurde zum Hobby, Glückstagebuch zu führen, es war wie eine Erleuchtung, weil sich die Stimmung dadurch erheblich verbessert.

Damals war ich wegen meiner Ehescheidung alles andere als gut drauf, im Nachgang verkläre ich die Zeiten wohl etwas.

 

Wer weiß, was die Corona-Pandemie aus uns herausholt … Wie schauen wir in zehn Jahren auf 2020 zurück? Hätten die Fraport-Beschäftigten jemals gedacht, Angst um ihre Jobs zu haben und über Alternativen nachdenken zu müssen? Wohl kaum. Da sinnt man schon eher über andere Branchen nach, womit ich beruflich betrachtet bei mir wäre.

 

Gestern Abend hatte ich wieder ein typisches Erlebnis für die Konkurrenz durch soziale Medien, Corona hat es nicht besser gemacht. Schauplatz war die Trinkkuranlage: Ich arrangiere mit gewissem Aufwand eine Gruppe von Sportlern, die sich bei der Versammlung des Zweckverbands Usa-Wellenbad für die Öffnung des Schwimmbads stark machen. Diese Szene will ich für meinen Artikel ablichten, der morgen erscheinen soll. Kommt eine Frau mit ihrem Handy und sagt: „Das fotografiere ich auch, dann poste ich es auf unserer Facebook-Seite.“ So etwas passiert oft, ich wehre mich. „Ich stelle hier aufwändig die Gruppe, Sie knipsen mein Motiv und ehe es in der Zeitung war, wird es 1000-mal in den sozialen Netzwerken geteilt. Das möchte ich nicht“, sage ich. Sie gibt nach, im Gegenzug fotografiere ich sie mit ihrem Mobiltelefon vor der Kulisse. Ihr Bild steht nun schon auf Facebook, mit den wichtigsten Infos zur Sitzung. Zumindest ist es ein anderes Fotomotiv.

Ihr seht, auch ich mache mir etwas Sorgen: Was wäre, wenn ... Vielleicht schreibe ich dann ein Buch. 

 

Oder ich reise. 

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