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Susann Barczikowski: Die App – ein Selbstversuch


Ich bin schon seit ein paar Tagen richtig gespannt auf die App. Die Tracing-App der Bundesregierung, von vielen ersehnt, aber auch von vielen abgelehnt, da ihre Funktion mit der DSGVO in manchen Punkten korreliert. Glaubt man den Umfragen, so wollen aber immerhin mehr als 50 Prozent der Deutschen die App freiwillig nutzen.
So auch ich. Denn die Erfahrungen der vergangenen Tage beim Restaurantbesuch hatten für meinen Geschmack mit Datenschutz so wenig zu tun, wie die berühmte Kuh mit Grasrauchen. Fraglich auch, ob die handschriftlich ausgefüllten Zettel mit Name, Adresse und Uhrzeit des Restaurant-Besuchs tatsächlich (wie verlangt) ordentlich abgeheftet werden, um dann im Falle eines Falles, sprich einer möglichen Infektion, ans Gesundheitsamt übermittelt werden. Ich habe da meine Zweifel. Zettel verschwinden gerne und oft auf Nimmerwiedersehen. 
Die App soll es also richten und Infektionsketten des Coronavirus besser erkennen und Daten verlässlich und zeitnah auswerten, ganz ohne Zutun des Einzelnen. Denn die Kommunikation – der Datenaustausch – läuft einfach zwischen zwei oder mehreren Handys ab.
Am Montagabend, so hieß es, stünde die App zur Verfügung. Bei google und im App-Store von Apple.

Der Versuch, die App noch am Montagabend herunterzuladen, schlägt fehl. Die App ist nicht nicht verfügbar. Toll, denke ich. Das ist wahrscheinlich alles ein Flop!

 

Heute morgen dann erneuter Versuch. Ein Freundin hat mir den Link zur App per WhatsApp geschickt. Jetzt oder nie, denke ich und klicke auf „Installieren“.
Der Anbieter der App ist das RKI, das Robert-Koch-Institut, das verantwortlich ist für den Datenschutz. Ich drücke auf Installieren. Netterweise erscheint zunächst Adresse und Email des RKI: datenschutz@rki.de
Das nenne ich Service! Für den Fall, dass mir als Nutzer auffällt, das die DSGVO nicht beachtet wird …Sind wir nicht ohnehin alle gläsern? Dank bargeldlosem Zahlungsverkehr, Navi, Versichertenkarte, Mobilfunk und, und, und.
Im nächsten Schritt erscheint der Hinweis, die App basiere auf Freiwilligkeit. Der Nutzer, die Nutzerin müsse zustimmen, dass personenbezogene Daten nur dann verarbeitet werden, wenn Gefahr im Verzug ist: Also bei einem möglichen Infektionsrisiko (das besteht aber doch immer. Oder sehe ich das falsch?). Diese Zustimmung kann ich auf Wunsch aber auch deaktivieren. Was dann natürlich die App lahmlegt.

Ich installiere. Aktiviere die Bluetooth-Funktion – und schon bin ich dabei.

Eines ist aber klar: Die App wird nur so gut sein wie unsere Vernunft, die uns sagt: Abstand halten und Maske tragen!

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