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Susann Barczikowski: Von Menschen und Tieren

„Ein Mensch ist intelligent, aber ein Haufen Menschen sind dumme, hysterische, gefährliche Tiere“, sagt Agent K in der Science-Fiction-Komödie Men in Black.

Das öffentliche Leben wird hierzulande wieder beschränkt, wenn die Zahl der Infektionen auf 50 pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche steigt. In Hessen sind wir zum Glück (noch) weit davon entfernt. Und doch geht es vielen Menschen (auch manchen Politikern) nicht schnell genug mit den Lockerungen, wie wir durch die Medien fast täglich erfahren.
Der Sozialpsychologe Florian Kutzner  (Uni Heidelberg) hat dazu in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung gesagt: „Wir sind in Deutschland in der nächsten Phase der Reaktionen auf die Corona-Maßnahmen angekommen. Ein wachsender Teil der Bevölkerung wird durch die Kommunikation (der Politik) nicht mehr erreicht.“
Es gibt Menschen, die an den „Corona-Wahnsinn“ und die Auswirkungen nicht mehr glauben, –  vielleicht auch nie geglaubt haben, Versammlungsverbote aushebeln und Empfehlungen – wie das Tragen von Masken – nicht befolgen. Das sind jene, die ihren Widerstand öffentlich machen. Andere legen eine gewisse Sorglosigkeit an den Tag. „Mich wird es schon nicht treffen“, lautet deren Meinung. Die vielen Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zu Corona mögen daran nicht ganz unschuldig sein. Es werden Ergebnisse präsentiert, die für den Laien schwer einzuordnen sind.
Gleichzeitig wird weltweit mit Hochdruck an Impfstoffen geforscht, um die durch das Virus verursachte Lungenkrankheit zu stoppen. Ob dies gelingt, weiß derzeit niemand, obwohl Aussagen von Experten darauf hindeuten, dass es keinen Wirkstoff geben wird (ähnlich wie bei Aids bzw. HIV).
Vergleichsweise langsamer arbeiten (zumindest mag es in der öffentlichen Wahrnehmung so ankommen) all jene, die eine gesellschaftlich akzeptable Lösung für ein Leben mit dem Virus aufzeigen sollen. Soziologen, Politologen, Philosophen und Psychologen sind gefragt. Aber auch Ökonomen, die Konzepte entwickeln, die aus der wirtschaftlichen Krise führen. Mit 300 Euro Kinderbonus und Milliardenhilfen für Großkonzerne ist es nicht getan. Im Gegenteil: Das führt zu sozialem Konfliktstoff, der den Einzelnen betrifft und sich in der Gruppe manifestiert.
Wenn Menschen sich mit ihren Ängsten wahrgenommen fühlen, handeln sie entsprechend: verantwortungsvoll, mitfühlend, vorausschauend und wachsam. Intelligent. „Ich muss einen Grund haben, der überzeugt. Wenn ich mein Verhalten ändere, muss mir das möglichst viel bringen“, sagt Kutzner.

Um zu dem Zitat und zum Textanfang zurückzukehren, menschliche Intelligenz versus tierische: In der Biologie gibt es den Begriff der Herden-Intelligenz. Er bezeichnet eine Sonderform der kognitiven Fähigkeiten. Übertragen auf das Tierreich heißt das: „Jedes einzelne Individuum besitzt nur relativ geringe Informationen über seine Umwelt und interagiert nur mit einer begrenzten Anzahl von Artgenossen; dennoch trifft die Gruppe als Ganzes koordinierte, sinnvolle Entscheidungen.“ (wikipedia_kollektive Intelligenz)

Wenn es der Politik gelänge, ihre Handlungen und Maßnahmen in der Pandemie für jeden einzelnen transparent und zum Wohle des Einzelnen zu gestalten, und jeder begreift, dass das, was beschlossen wurde, der Sache dienlich ist, könnte die Gemeinschaft davon profitieren. Das Bild vom Menschen als hysterisches, gefährliches Tier wäre dann vielleicht Fiktion. 

 

 

 Sanft und ganz ungefährlich – Esel auf Mallorca / Foto: Barczikowski

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