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Wilhelm Edel: Selten ein Schaden ohne Nutzen

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Dass diese, von etwa fünf Prozent als Covid 19, vom Rest der Welt aber schlichtweg als Corona bezeichnete Pandemie, sich für unsere Pflanzen- und Tierwelt zu einer Wohltat entwickeln würde, daran haben wohl die Wenigsten gedacht. Wie sollten sie auch! War doch jeder im Kampf mit dem Virus mit sich selbst, seiner näheren menschlichen Umgebung und der Sorge um Beruf, Kita oder Schule so in Anspruch genommen, dass man getrost von Auslastung sprechen konnte.

 

Wer hätte aber gedacht, dass es in Deutschland, dem Heimatland toll polierter, Pferdestärken strotzender und Status demonstrierender Autos einmal soweit kommen würde, dass Bürger den harten Ledersitz auf einem Drahtesel dem Körper-angepassten Sessel hinter dem Gaspedal den Vorzug geben würden? Dass Corona das Wundermittel heißt, das uns hilft, das als unerreichbar erachtete Umweltziel doch noch zu schaffen, das ist sicher ein Absurdum! Dass fast null Kondensstreifen das helle Blau des sommerlichen Himmels eintrüben, dass Grillpartys fast verschwanden, die sonst ihre Rauchwolken mit dem Duft angebratenen oder auch angekohlten Fleisches gegen den Himmel schickten, dass sich die Zahl der Fernbusse auf unseren Autobahnen deutlich reduzierte, dass die Schrotthalden bei nur 40 Prozent Neuzulassungen deutlich abnehmen, all das zu erreichen wäre per Gesetz oder Verordnung nicht möglich gewesen, weil als unmöglich abgetan. Covid 19 hat uns auf erschreckende Weise gelehrt, dass es doch geht! Wenn auch nicht immer freiwillig, so war doch das angepasste Verhalten der Bürger ein lobenswerter Grund, dass dies alles so geschehen konnte und kann!

 

Wenn ich dann allerdings lesen muss, dass sich, wie z. B. in Göttingen, mutmaßlich Großfamilien über ordnungsweisende Richtlinien hinweggesetzt haben sollen und sich Personen in dreistelliger Zahl einer Infektion ausgesetzt hätten, dann habe ich etwas Schwierigkeiten, das zu verstehen. Wenn die Folge dieses Verhaltens dazu führte, dass in Göttingen die Schulen geschlossen werden müssen (ntv, 02.06.20, Kölner Stadtanzeiger, 03.06.20), dann ist das vor allem, ich betone „vor allem“, ein schwerer Schlag für die Familien mit Kindern und für Alleinerziehende, die soeben dabei waren, aufzuatmen und erste Schritte in ein normales, entlastetes Leben zu tun! Die anfallenden Kosten für Untersuchungen, Quarantäne oder gar Krankenhausaufenthalte tragen alle.

 

Es gibt eine Gegendarstellung (Stern online 06.06.20), mein Appell gilt trotzdem allen Menschen: Das gemeinsame Respektieren der ausgegebenen Regeln zu dem Leben miteinander, das Einhalten prophylaktischer Maßnahmen und die Rücksichtnahme auf den Mitmenschen. Wir können nur hoffen, dass der Sturm, der in der Coronapandemie über den Erdball fegt, vorübergehender Natur ist und dass nach aller Rückkehr zu einem „normalen Leben“, die Pflanzen und Tiere sich noch lange dieser Phase der Erholung auf ihrem Planeten erfreuen können!

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