· 

Rita H. Greve - Das Fliegen in den Zeiten der Pandemie

Foto: Rita H. Greve

Meinetwegen könnten die Flugzeuge noch eine Weile am Boden bleiben. Mir steht der Sinn nicht nach fliegen – egal wohin. Viele werden das anders sehen und schon sehnsüchtig darauf warten, wieder in die Ferne abheben zu können.

Zahlreiche Länder können es kaum noch erwarten, dass die Touristen wieder kommen. Allen voran Spanien, das sich eine Ausnahmeregelung schon vor Juli für deutsche Touristen überlegt hat. Reisende aus Deutschland sind besonders willkommen, da das Virus hierzulande relativ schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte.

 

“Wenn in einer deutschen Region die gleichen Bedingungen herrschen wie auf den Balearen, ist das Risiko für einen Touristen hier das gleiche wie zu Hause, das sollte seine Reise erleichtern”, sagte Iago Negueruela, Leiter der Abteilung für regionale Wirtschaft und Tourismus, in einem Interview.

 

Vor nicht allzu langer Zeit sah die Situation ganz anders aus. Die Menschen auf Mallorca wie auch in den Städten auf dem spanischen Festland gingen auf die Straße, um gegen den Massentourismus zu demonstrieren. Durchaus verständlich, da die Einheimischen aus ihren Wohngebieten verdrängt wurden durch immer mehr Ferienwohnungen für Touristen. Der Massentourismus mit seinem „Ballermann-Image" hat auch die schöne Insel Mallorca ziemlich in Verruf gebracht. Es wurde sogar eine Art "Touristensteuer" erhoben.

Aber ganz ohne Tourismus geht es eben auch nicht, macht er doch zwölf Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts aus. Und es hat keiner etwas davon, wenn die Kasse nicht mehr stimmt. Das werden dann, ob es ihnen gefällt oder nicht, auch die spanischen Bürgerinnen und Bürger akzeptieren müssen. So schnell kann sich das Blatt wenden. Dennoch wäre gerade jetzt der beste Zeitpunkt, eine andere Art von Tourismus zu etablieren.

 

Doch da die Unvernunft meistens das Handeln diktiert, werden die Deutschen bald wieder fliegen – Virus hin oder her. Urlaub im Ausland um jeden Preis – ist das Mut oder Leichtsinn? Und dann ausgerechnet Spanien oder auch Italien, das verstärkt um Gäste wirbt und ab sofort wieder bereist werden kann. Beide Länder gehören zu den am Stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen europäischen Staaten. Das ist das Eine.

 

Das Andere ist das Fliegen selbst.

Es wird allenthalben suggeriert, es sei sicher. Obwohl die Behauptung aus Sicht der Airlines verständlich ist, frage ich mich, wie man so etwas ruhigen Gewissens vertreten kann. Abstand halten –  quasi unmöglich. Den mittleren Sitz freizuhalten bringt auch nichts, weil nur 50 cm Abstand gewonnen wären. Außerdem kommt das für die Airlines nicht in Frage, da sich das Flugticket erheblich verteuern würde.

 

Airbus Chefingenieur Jean-Brice Dumont weist darauf hin, dass die Luftströmungen in einem Flugzeug nur vertikal verlaufen. Die Luft strömt von der Decke herab und wird am Boden wieder abgesaugt. Viren dürften also nicht zum Sitznachbar geblasen werden. Was aber, wenn doch? Das Super-Argument für die Sicherheit ist jedoch der in die Klimaanlagen der Flugzeuge eingebaute HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Air Filter) – ein Luftfilter, der auch in OP-Sälen oder Atomkraftwerken zur Luftreinigung eingesetzt wird. Er soll angeblich 99,97% der Partikel aus der Luft herausfiltern. Dennoch wird von anderer Seite empfohlen, Gesichtsmasken zu tragen und zwar FFP2- oder FFP3-Masken. Je nach Flugdauer eine ganz schöne Tortur.

 

Was mir aber wirklich sehr zu denken gibt ist die Antwort eines in der Luftfahrtbranche Tätigen auf die Frage eines Interviewers, ob er denn zum jetzigen Zeitpunkt in ein Flugzeug steigen würde. Sie lautete ganz klar: „NEIN!“

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Doris Mast (Donnerstag, 11 Juni 2020 11:56)

    Hallo Frau Greve,
    Danke für Ihren Kommentar. Ich hätte eine Frage zu ‚ einen in der Luftfahrt Tätigen‘. Das ist ein weites Feld, könnten Sie das spezifizieren ? Danke und einen schönen Feiertag.
    Viele Grüße
    Doris Mast

  • #2

    R.H. Greve (Donnerstag, 11 Juni 2020 17:25)

    Liebe Frau Mast,
    das Interview fand im Rahmen der hr-Fernsehsendung "Hessenschau" vor einiger Zeit statt. Leider habe ich mir den Namen des Interviewten sowie dessen zuständigen Bereich nicht notiert, da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wußte, dass ich über dieses Thema einen Blog schreiben würde.
    Bei meinen späteren Recherchen im Archiv des TV-Senders habe ich leider nichts herausfinden können. Dennoch wollte ich diese Aussage publik machen und habe mich entschieden, mich auf dieses "weite Feld" zu wagen.
    Wäre dieser Satz im Interview nicht gefallen, hätte ich ihn nicht geschrieben.
    Freundliche Grüße
    R.H. Greve