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"Pest" und "Wuhan-400" als Bestseller

Bild: Petra Ihm-Fahle

Seit mehreren Tagen quäle ich mich mit dem Buch „Die Pest“ von Albert Camus herum. Ich habe es eben noch mal probiert, denn irgendwas muss doch dran sein, sonst wäre es kein Bestseller über Jahrzehnte hinweg geworden. Aber mehr als zwei Seiten schaffe ich nicht. Ich muss das Buch weglegen, sonst schlafe ich ein.

 

Schon vor vielen Jahren hatte ich es mit „Die Pest“ bereits versucht. Ich erinnere mich, dass ich auch damals nicht weit kam. Dabei gab ich Büchern früher wesentlich länger eine Chance als heute, hielt durchaus mal 100 langweilige Seiten durch, bis sich die Handlung endlich entfaltete. Momentan bin ich auf Seite 53.

 

Ich kam auf den Gedanken, mir das Werk erneut zu Gemüte zu führen, als ich in der Friedberger Buchhandlung Bindernagel war. Dabei fielen mir einige Titel in der Auslage auf, die das Haus passend zur Corona-Krise führt.

Ich schnappte mir „Die Pest“, da ich gleich den Gedanken hatte, für unseren Blog darüber zu schreiben. Weh mir.

 

Ein Arzt namens Rieux lebt in der Stadt Oran an der algerischen Küste. Als er eines Tages die Wohnung verlässt, fallen ihm tote Ratten auf, die herumliegen. Der Concierge seines Hauses regt sich darüber auf, aber es werden mehr und mehr Ratten, die blutend zusammenbrechen. Die Mülltonnen sind plötzlich voll der toten Tiere. Menschen erkranken und sterben, darunter der Concierge. Sie bekommen starkes Fieber, ihre Lymphknoten schwellen an und brechen auf, Hautflächen verfärben sich schwarz. Mittlerweile, auf Seite 53, dämmert es Rieux und seinen Mitstreitern, es mit der Pest zu tun zu haben.

 

Lese ich die Beurteilungen auf Amazon, vergeben 81 Prozent der Rezensenten fünf Sterne. Daher bedaure ich, dass ich einfach nicht in den Text reinkomme und mir anscheinend ein großer Lesegenuss versagt bleibt.

Rezensent Ladmac spricht mir aus der Seele: „Was für ein Drama hätte man aus diesem Stoff erschaffen können. Stattdessen wirkt dieses Werk auf mich wie eine Schlaftablette. Sicherlich mein letztes Buch von Albert Camus.“

 

Bei der Buchhandlung Rühs habe ich mir für heute ebenfalls etwas bestellt, das in die Zeit passt: Dean Koontz' „Die Augen der Finsternis“, ein alter Titel, den die Corona-Pandemie nun zum Bestseller macht.

Interessant ist dabei, dass Koontz bereits 1981 die Entstehung eines gefährlichen Virus namens "Wuhan-400" beschrieb. Zu Beginn der Krise spekulierten Medien, ob der Thriller-Autor das Virus Sars-CoV-2 vorausgesagt habe. Laut einem Faktencheck des Kölner Stadtanzeigers soll aber nichts dran sein. Und auch zu diesem Lesestoff gibt es kritische Stimmen. 

 

Ein Amazon-Kunde schreibt: „Außer, dass der Name eines Virus zufällig den Namen Wuhan trägt, hat dieses Buch NICHTS – ABER AUCH GAR NICHTS – mit der aktuellen Corona Pandemie zu tun. Selbst wenn man das zu Lesebeginn wüsste, ist die Story flach, unspannend und schlecht geschrieben. Es lohnt nicht.“

 

AL60 lobt hingegen: "Definitiv gutes Marketing mit der Frage, ob der Autor den Corona-Virus vorher geahnt hat... Deshalb habe ich das Buch spontan gekauft... Am Ende hat es - und hätte es definitiv auch ohne Corona-Bezug - einfach richtig Spaß gemacht, dieses Buch über einen Tag bis in den Abend hinein zu lesen."

 

Ich bin gespannt. 

 

Petra Ihm-Fahle 

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Kommentare: 1
  • #1

    Martin (Mittwoch, 03 Juni 2020 12:33)

    Danke für diesen Text! Du schilderst genau, wie es mir auch gelegentlich geht. Ich gebe allerdings jedem Buch immer nur fünfzig Seiten um mich zu kriegen. Als ich vor zwei Jahren von Papier weitgehend auf Elektronik umgestellt habe, hatte das auch damit zu tun, dass Amazon Leseproben anbietet und die mich von einigen Fehlkäufen abgehalten haben.