· 

Wilhelm Edel: Von Ried bis Recht

Bild: Petra Ihm-Fahle

Eigentlich hatte ich ernstlich vor, in dem heutigen Artikel einmal nicht die Hand in offene Wunden zu legen, sondern von Schönem und Angenehmen zu erzählen. Und dazu hatte ich trotz des Corona-Ärgers wirklich allen Grund.

 

Ein schöner Ausflug

 

Unsere jungen Leute haben mit uns beiden Alten einen Ausflug in das Bingenheimer Ried gemacht. Es war herrlich. Bei dem Gekrächze der Rohrdommel mit ihrem Liebeslied (sie fand es bestimmt schön), dem Gequake der Frösche, den tollen Flugkapriolen der Kiebitze und dem ernsten  Gehabe der Schwäne, die, Vater und Mutter, je auf einer Insel postiert mit scharfen Augen das Tun und Lassen ihres Nachwuchses unter Beobachtung hatten, der die Freiheit zwischen den beiden Inseln sicher genoss. Da war ja dann auch noch viel mehr: Die Vielzahl der Enten und Gänse an Menge und Art, die Störche und Schwalben, die das bunte Treiben abrundeten. Wenn man genau hinsah und hörte, dann sah und hörte man aber viel mehr: Ein Stückchen heile Welt mit einer Ruhe und Frieden, der Gegenwart und dem Menschen in dieser schwierigen Zeit mit ihren Einschränkungen anscheinend völlig unbekannt. Hier wollte ich weitermachen, aber da hat die Zeitung mich doch wieder auf die Bahn des Kritikers zurückgeholt.

 

Vor circa 14 Tagen berichteten die deutschen Medien, dass die Grünen die Frankfurter Professorin Astrid Wallrabenstein ins Amt der Richterin gehoben haben. Laut der „taz“ ist sie zwar keine Grüne, laut der Süddeutschen Zeitung gilt sie aber als politisch links. Das hatte mich zwar gestört, hätte mich aber noch nicht zu diesem Artikel veranlasst, wenn ich mich nicht erneut über die deutsche Justiz geärgert hätte, allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang.

Am 27. Mai berichtete die Wetterauer Zeitung über eine Krankenschwester, die Kollegen in einer Bad Nauheimer Klinik mit Keksen vergiftet haben soll. Am 28. Mai hörten wir von einem 46-Jährigen, ebenfalls in Hessen, der seinen Nachbarn mit Gift in der Suppe töten wollte, die das Opfer allerdings seinen Hunden verfütterte, welche der Tierarzt retten konnte. Die Krankenschwester bekam drei Jahre Haft und kein Berufsverbot. Der Mann erhielt lebenslänglich mit einer Sperrklausel der Entlassung nach 15 Jahren! Ich möchte diese Fakten nicht weiter breittreten, sondern nur darauf hinweisen, dass in unserem Rechtssystem anscheinend einiges aus dem Ruder läuft.

 

Quo vadis, Justitia?

 

Wenn ich überdies lese, dass politische Parteien Richter vorschlagen, finde ich auch das nicht in Ordnung. Richter haben neutral zu sein, das heißt, sie sollten keiner Partei nahestehen, weder einer rechten noch linken, weder einer gelben noch einer blauen. Vor den alten Gerichtsgebäuden stand nicht umsonst die Statue der Justitia mit verbundenen Augen und der Waage in der Hand. Da sie selbst keine der Personen, über die sie das Urteil sprach, sehen konnte, entschieden beim Urteil nur die Fakten gegeneinander und die Tatsachen sprachen das Urteil.

 

Auch heute komme ich nicht umhin, die Frage zu stellen: Wie lange will sich unser Land von der Willkür der regierenden Parteien gängeln lassen? Wir sollten nicht vergessen, dass auch ein/e parteigefärbte/r Richterin oder Richter Mensch ist und es bedürfte einer großen menschlichen Charakterfestigkeit, wenn ein linker Richter einem extrem rechten Angeklagten das Recht zugesteht, das er einem Parteigenossen angedeihen lassen würde. Das Gleiche geschieht umgekehrt ebenso und im Zank der Parteien auch kreuz und quer.

  

Wir leben in einer Demokratie. Die Gewässer unserer Landschaften sind etwas Schönes, doch das Recht sollte nicht verwässert werden.                                                                                           

Das abgebildete Buch ist von Ralf Eichelmann/Frank-Uwe Pfuhl und heißt "Auenlandschaft Wetterau".

Kommentar schreiben

Kommentare: 0