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Petra Ihm-Fahle: Kontaktlos in der Krise

Bild: Petra Ihm-Fahle
Bild: Petra Ihm-Fahle

Nachdem in den letzten Wochen dank der Corona-Krise Eremitentum meine Tage bestimmte, standen unlängst zwei "gesellschaftliche Ereignisse" auf dem Programm. Außerdem gab es gerade einen familiären Schock.

Zunächst komme ich zu den "Events", dies waren die Stadtparlamente in Büdingen und Nidda (Bild), die beide stark Regeln unterworfen waren.

Parlamente besuche ich gerne, weil dort oft die Emotionen kochen. Ich sitze still auf der Pressebank, mache Notizen, schreibe meine Artikel. 

Büdingen stand zuerst im Kalender. Der dortige Parlamentschef hatte vorgeschlagen, wegen Corona nur die eilbedürftigen Punkte zu besprechen, er hatte die Sitzung in eine große Halle verlegt, wo die Stadtverordneten alle einen Einzeltisch bekamen. Das Mikrofon war mit einer Plastiktüte umhüllt und wurde gelegentlich mit Sprühdesinfektion gesäubert. Es krachte jedes Mal. 

In Nidda war es ähnlich, nur akribischer. Das Hohe Haus hatte sich zuvor darauf geeinigt, von jeder Fraktion nur die Hälfte zu entsenden. Alle trugen während der gesamten Sitzung Mundschutz, ich musste am Eingang unterschreiben und meine Hände desinfizieren. Die Sitzung war nach circa 40 Minuten beendet.  

Es tut gut, in geordnetem Rahmen wieder auf Menschen zu treffen. Obwohl ich mich an das Eremitentum gewöhnen könnte. Hauptsache, ich habe genug zu tun. Aber das habe ich. In den letzten zwei Tagen war ich so beschäftigt, dass ich - in Gedanken verloren - sogar ins Geschäft ging, ohne eine Maske dabei zu haben. Ich kaufte schnell ein Päckchen Papierservietten und Haushaltsgummis und bastelte im Gang eine Maske. Auch tags darauf fiel mir auf, unterwegs keine Maske auf zu haben. Das Wetter ist schön, man wird vielleicht sorgloser. 

Es ist nicht der alleinige Grund meiner diesbezüglichen geistigen Abwesenheit. Irgendwann kommen Dinge, die viel stärker sind. Die nichts mit dem Virus zu tun haben, auf der anderen Seite aber doch. Etwa der Riesenschreck, wenn die Mutter ins Krankenhaus muss (nicht wegen Corona). Wie am Montag leider geschehen. Am Muttertag war ich noch bei ihr, habe Blumen gebracht und Spargel gegessen.

Sie liegt in Nordrhein-Westfalen, die Klinik lässt niemanden hinein. Meine Schwester konnte geradeso eine Tasche mit Wäsche unten abgeben. Sie musste durch eine Schleuse, bekam Temperatur gemessen, hatte 37 Grad und hätte mit 37,5 nicht mal mehr die Tasche abgeben dürfen.

Das Krankenhaus hat einen Corona-Test bei meiner Mutter veranlasst. Ist dieser negativ, beginnt die frühgeriatrische Behandlung. Wie soll es laufen, wenn Patienten keinen direkten Kontakt zu den Angehörigen haben? Schwierig.

Da ich gestern Abend in Nidda war, muss ich nun in die Tasten hauen. Zwischendurch rufe ich in Krefeld an.

 

Auf jeden Fall ist mir im Moment etwas klarer, wieso manche Menschen die Maske oder den Abstand vergessen. Sie haben vielleicht ganz andere Sorgen. 

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