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Rita H. Greve: Auf der Mauer, auf der Lauer ...

Foto: (ZDF-TV) Rita H. Greve
Foto: (ZDF-TV) Rita H. Greve

sitzt ein kleines Virus und freut sich über die vielfältigen Lockerungen, die ihm plötzlich wieder Möglichkeiten bieten, seinen Totentanz fortzusetzen.

Und die Menschen jubeln. Begreifen sie denn nicht oder wollen sie nicht wahrhaben, dass es noch nicht vorbei ist?

 

Die Experten sagen, diese neuen Lockerungen kommen zu früh. Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer kritisierte: „Wir wollen zu viel auf einmal. Das kann gewaltig nach hinten losgehen.“ Er habe große Zweifel, ob die Sicherheitsmaßnahmen in der Gastronomie ausreichend eingehalten werden können. „Beim Essen muss man eben den Mundschutz abnehmen."

 

Vielleicht ist hier eine Maske mit Reißverschluß die Lösung, die ein findiger Kopf kürzlich entwickelt hat und vermarkten möchte?? Man zieht den Reißverschluß zum Essen auf und nach dem Essen (oder auch nach jedem Bissen) wieder zu. Super Idee! Bei der Präsentation blieb – typischer Vorführeffekt - prompt ein Stück Pizza oder war`s eine Nudel (Loriot :) am Reißverschluß hängen! Hygiene?  Ach was!  Das war`s dann wohl mit der Vermarktung. :) :)

  

Restaurants, Hotels, alle Geschäfte, Friseure dürfen wieder öffnen. Treffen mit zwei Familien (egal in welcher Größenordnung - auch Großfamilien?) dürfen wieder stattfinden.

Sogar Theater- und Kinobesuche mit  bis zu hundert Besuchern sollen wieder möglich sein, sowie Freizeitsport und die schrittweise Rückkehr aller Schüler an die Schulen.

Beim Reiten, Tennis und Golf können die Abstände sicherlich eingehalten werden, wenn sich denn alle regelkonform benehmen – wenn ...

 

Bei Fitness-Studios sieht die Sache aber ganz anders aus. Das sind -  wie auch Schulen und Kitas -  die größten Virenschleudern. Wie soll das Training vor sich gehen? Etwa mit Gesichtsschutz (dann aber bitte nur mit FFP2 bzw. FFP3-Masken) und Handschuhen?  Natürlich nicht!  Absolut unmöglich!

Fenster geöffnet halten und zusätzlich Ventilatoren laufen lassen (Durchzug -  sprich: Erkältung inbegriffen) ist ebensowenig praktikabel wie nur jedes zweite Gerät zu benutzen oder nur eine begrenzte Anzahl von Menschen einzulassen. Beim Training wird nun einmal geschwitzt, gekeucht, geschnauft etc. Ohne Maske ist man diesem Szenario schutzlos ausgeliefert. Und mit Maske trainieren – wie schon gesagt – nicht machbar.

Und à  propos Hygiene: Jedes Gerät müßte nach jeder Benutzung sorgfältigst desinfiziert werden. Wer macht das? Wer stellt die Mengen an Desinfektionsmitteln zur Verfügung?

 

Es gibt ein Video im Internet, das die Verteilung der ausgehusteten und ausgeatmeten Partikel im Raum verdeutlicht. Ich würde allen Betreibern von Sportstudios empfehlen, sich dieses Video einmal anzusehen. Es ist erschreckend!

Ein weiteres Video zeigt einen Menschen beim Sprechen – einmal mit und einmal ohne Maske. Beim Sprechen ohne Maske ist deutlich erkennbar, wie weit sich die Aerosole verteilen, beim Sprechen mit Maske verbreiten sich keine. Danach zu urteilen, ist ein Abstand von mindestens 1,5 m dringend geboten. Bilder von belebten Fußgängerzonen und anderswo zeigen die permanente Nichtbeachtung dieser Regel.

 

Leider gibt es  immer noch zu viele Menschen, die nichts begreifen. So hat doch vor einigen Tagen ein Mann vor Gericht geklagt, weil er sich durch das Tragen einer Maske in seinem Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit beeinträchtigt fühle. Der Klage wurde dankenswerterweise nicht stattgegeben, mit der Begründung: Die Maskenpflicht ist wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Genau!  Außerdem beinhaltet die Freiheit des Einzelnen nicht das Recht, Andere zu gefährden.

Seit vorgestern sind weitere (über tausend) Klagen zu Reisefreiheit etc. etc. anhängig. Für mich als jemand, der die Nachkriegszeit mit all ihren Einschränkungen, Bitternissen und Unfreiheiten erlebt hat, einfach unverständlich.

 

Ich mache mir wirklich Sorgen, wie sich die neuerlichen Lockerungen in der nächsten Zeit auswirken werden. Bereits jetzt müssen Thüringen, NRW und Schleswig-Holstein die Notbremse ziehen, da die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten wurde. Gegenüber dieser sogenannten Notbremse, wonach in sieben Tagen ein Beschränkungskonzept greifen soll, sind die Experten sowieso skeptisch. Und sie sind sich

darin einig, dass eine zweite Infektionswelle und damit wieder ein Shutdown Deutschland  härter treffen würde als zuvor.

Aufgrund der jetzt zu beobachtenden Ungeduld und Uneinsichtigkeit vieler Menschen befürchte ich, dass wir auf eine zweite Infektionswelle zusteuern. Die Reproduktionszahl liegt bereits wieder über 1 !

 

Bleibt nur zu hoffen, dass es eine Welle wird und kein Tsunami!

 

Rita H. Greve

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruthild G. (Sonntag, 17 Mai 2020 18:58)

    Ich möchte hier jedes Wort unterstreichen! Zu fürchten ist allerdings, dass die Unvernunft vieler Mitmenschen uns weit zurück wirft. Hoffen wir also auf die Welle...