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Petra Ihm-Fahle: Stein des Friedens

Foto: Petra Ihm-Fahle
Foto: Petra Ihm-Fahle

Ein beschriebener Stein aus meiner Küche hilft mir, über den heutigen Freitag, 8. Mai 2020 zu schreiben. 

 

Es ein denkwürdiger Tag, denn vor genau 75 Jahren war der Zweite Weltkrieg beendet. Damals war es ein Dienstag. Anlässlich des historischen Datums waren in 2020 viele Gedenkfeiern geplant, die aufgrund der Corona-Krise nicht stattfinden können, beispielsweise in Berlin. Stattdessen weichen die dortigen Verantwortlichen auf virtuelle Gedenkveranstaltungen aus. In anderen Kommunen sind Kranzniederlegungen und kleine Feierstunden geplant. In Berlin ist heute einmalig ein Feiertag terminiert.

 

Laut der "Zeit" kostete der Zweite Weltkrieg zwischen 1939 und 1945 mindestens 55 Millionen Menschen in Europa und Asien das Leben, dem Massenmord an den Juden fielen 5,6 bis 6, 3 Millionen Menschen zum Opfer.

Mit knapp 270 000 Toten weltweit schlägt die Corona-Pandemie bislang zu Buche. Eine ebenfalls schockierend hohe Zahl, verständlich, keine großen Veranstaltungen zu zelebrieren. 

 

Das Gedenken in den virtuellen Raum zu verlegen, schien mir im ersten Moment trotzdem etwas wenig dafür, dass Deutschland 1945 von einer menschenverachtenden Diktatur befreit wurde.  

 

Doch stöbert man ein bisschen, finden sich interessante Online-Angebote. Es wurde sich teilweise viel Mühe gegeben. Und vielerorten wird zudem davon gesprochen, das Gedenken im realen Leben nachzuholen, hier ist ein Beispiel aus Wiesbaden

 

Mein Stein mit der Aufschrift "Niemals Gewalt" stammt aus einer literarischen Veranstaltung über Astrid Lindgren aus dem Juli 2009 auf dem Bad Nauheimer Johannisberg. Die Rezitatorin Carmen Renate Köper verschenkte die Steine am Ende an die Zuhörer und Zuhörerinnen. "Niemals Gewalt" war der Titel von Lindgrens Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels im Jahr 1978. Dabei setzte sie sich mit der Frage auseinander, weswegen es Gewalt und Kriege unter den Menschen gibt. Sie war der Ansicht, dass bei den Kindern angesetzt werden muss, um dies zu verhindern. Alle Despoten hätten ihrer Ansicht seelische und/oder physische Gewalt am eigenen Leib erfahren und gäben dies weiter. Lindgrens Vorschlag war, dass jeder Mensch einen Stein haben sollte, auf dem die Worte "Niemals Gewalt" stehen. Sie regte an, den Stein auf das Küchenbord zu legen, um sich immer daran zu erinnern, den Nachwuchs ohne Aggressionen zu erziehen. Momentan ist es ja angesagt, mit Kindern Steine zu bemalen - warum nicht mal auf Lindgrens Weise? 

 

Nie wieder Krieg!

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