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Claudia Biedenkapp: Begegnungen in Zeiten von Corona

Bild: Claudia Biedenkapp
Bild: Claudia Biedenkapp

 „Und, wie geht‘s euch so in der Krise?“

Ich freue mich über den Anruf eines alten Freundes, mit dem ich bei diesem Wetter lieber mit Kaffee und Kuchen im Garten sitzen würde. Der Mann am Telefon ist nachdenklich. Ich versuche, ihn etwas aufzuheitern und erzähle, dass auch unser Leben ruhiger und überschaubarer geworden ist. Urlaubspläne auf Eis liegen, große Feiern in Frage stehen und das Familienleben distanziert ist.

 

Was können wir tun, um die Zeit zu überbrücken, bis wieder konkrete Pläne gemacht werden können? Dankbar sein für die ersten Lockerungen, die uns einen Ausflug in den Zoo und den überfälligen Frisörbesuch gestatten. Massagen sollen ja auch wieder möglich sein. So viel Nähe, so viel Körperkontakt, natürlich nicht ohne Mundschutz.

 

Ich gehe über zu den positiven Begleiterscheinungen der Corona-Krise und erzähle von rührenden Balkon-Gesängen in Italien und den kreativen Künstlern hierzulande. „Ja, so etwas macht natürlich gute Laune. Vielleicht sollte ich einfach nicht hinterm Kurpark spazieren gehen...“ Und dann begann er von der Stelle zu erzählen, wo der Weg zum schmalen Pfad wird. Ich weiß, wie idyllisch gerade jetzt so ein Spaziergang sein kann: Zwitschernde Vögel, das frische Grün der Blätter, durch das die Bad Nauheimer Frühlingssonne dringt. Der Freund berichtet: „Ich sah ihn schon von Weitem, den Mountain-Biker und er muss mich auch gesehen haben.“ Es war falsch anzunehmen, der Radfahrer würde langsamer oder etwas weiter rechts fahren. Nur ein beherzter Sprung an den Maschendrahtzaun konnte Schlimmeres verhindert. „Puh, das hatte ich mit meinen 80 Jahren gerade noch geschafft. Ich habe die Situation vor mir selbst mit dem Leichtsinn der Jugend entschuldigt.“

Ich empörte mich, denn mir fehlt jegliches Verständnis. Dann ließ ich mir von seiner nächsten Begegnung berichten: „Ein paar Meter weiter tauchten zwei Paare mittleren Alters auf. Sie waren gepflegt gekleidet und machten einen gebildeten Eindruck. Die Herrschaften gingen nebeneinander bzw. hintereinander und waren ins Gespräch vertieft.“ Eine typische Szene auf dem Weg, der nun etwas breiter war. Auf der gleichen Höhe angekommen, hielt mein alter Freund es für selbstverständlich, dass die beiden Paare ihm etwas Platz machen würden um ihm ein freies Gehen zu ermöglichen. Fehlanzeige! Unverändert geradeaus gerichtet blieb der Blick, in dem eine gewisse Arroganz lag. „Stell dir vor, ich musste mich zum zweiten Mal an den Zaun retten.“

 

Sind es rücksichtslose oder einfach nur dumme Menschen, die sich mitten in der Corona-Krise in unser schönes Städtchen verirrt haben? Man könnte annehmen, dass sie wissen, was sie tun, sonst würden solche Leute doch ihr Gesicht mit Masken bedecken. Dämliche Verhaltensweisen unserer Mitbürger/-innen gab es leider auch schon vor Corona und ich wette, es wird sie immer geben.

 

Es war Albert Einstein, der gesagt haben soll:

«Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit.

Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.»

 

In diesem Sinne, lasst uns weiter souverän und gelassen bleiben.

 

Claudia Biedenkapp

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