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Wilhelm Edel: Das Wunder BER

Bild: Petra Ihm-Fahle
Bild: Petra Ihm-Fahle

Keiner fliegt - aber der BER wird eröffnet. Diese und ähnliche Meldungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und der großen Krise der Luftbranche bewegen mich, über den neuen Flughafen in Berlin nachzusinnen. 

 

Ja, es wäre zweifelsohne ein Wunder gewesen, wenn er, wie ursprünglich geplant und im Rahmen der vorgesehenen Kosten, termingerecht hätte eröffnet werden können.

 

Was sich da in Berlin abgespielt hat, bleibt in meinen Augen aber auch so ein "Wunder". Dass die geplante Bauzeit um 9 bis 10 Jahre überschritten werden konnte, dass sich die Kosten in Milliardenhöhe zumindest verdreifacht haben, dass sich Aufsichtsräte und sonstige Verantwortliche die Türklinken in die Hand gaben, um bei der Verteilung der Gelder nicht zu kurz zu kommen, dass dies alles geschehen konnte, ohne exakte Zeitangaben und genaue Kosten, dass die Bevölkerung inklusive der Steuerzahler die sechsmal verschobene Eröffnung mit Humor beantwortet hat, das wäre in meinen Augen ein Wunder, wenn das ganze Geschehen nicht zu nahe an der Dummheit gesiedelt hätte.

 

Es ist nicht zu fassen, vom ersten Spatenstich 2006 bis zu der geplanten Einweihung am 31. Oktober 2020 sind demnach 14 Jahre vergangen. Trotz aller Euphorie muss ich dennoch vor übertriebener Freude warnen, denn schon jetzt taucht ein Mehrbedarf bis 2023 in Höhe von 1,8 Milliarden auf. Unter Berücksichtigung von Zeit und Corona wird dieser Betrag bei Fälligkeit sicher die 3-Milliarden-Grenze überschreiten. Vom 1. Mai bis zum 31.Oktober sind es noch sechs Monate! Was in dieser Zeit alles geschehen kann, haben die verantwortlichen Behörden reichlich unter Beweis gestellt.

 

Man darf sich gar nicht vorstellen, dass beim ersten Spatenstich 2006 die Planung ja fertiggestellt gewesen sein sollte, ehe man von politischer oder staatlicher Führung das Ja zum Startschuss gegeben hat.Die Frage nach den Verantwortlichen muss erlaubt sein, die da wirklich kontrolliert haben und nach den Parteien, unter deren Aufsicht dies alles geschehen konnte. Oder sind unsere Gesetze und Bauvorschriften zwischenzeitlich zu einem solchen Wust angewachsen, dass sich niemand mehr darin auskennt und der Tod im Labyrinth der Paragraphen unvermeidlich wird?

 

Dass man der Sache mit der Maut auf den Grund geht, ist richtig. Dass man das Segelschulschiff mit 120 Millionen bedenkt, ohne einen einzigen Betätigungsnachweis, dass 300 Millionen von einer Ministerin für Beraterverträge ausgegeben werden, sollte Sache des Bundesrechnungshofes sein. Dass jetzt eine Ausschreibung in NRW geplatzt ist, weil eine Firma mit billigem Chinastahl punkten wollte und damit die gesamte Planung ins Fiasko geführt hat, was mit jahrelangem Verzug und doppelten Kosten (bisher 600 Millionen) gleichzusetzen ist, wird sicher noch aufgegriffen werden.

 

Meine Frage zu dem "Wunder" des Berliner Flughafens: Wer legt die wahre Geschichte offen über Aufsichtsräte, Firmen, gesetzliche Planungen, Arbeitsleistungen, Pfusch und Korrekturen und eine detailgetreue Auflistung entstandener, vermeidbarer und unnötiger Kosten? Ich stehe auf dem Standpunkt, dass gerade in der Demokratie dem Volk reiner Wein eingeschenkt werden sollte.

 

Wilhelm Edel                                                                   

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Kommentare: 2
  • #1

    Ingeborg Schuster (Sonntag, 03 Mai 2020 10:18)

    Diese „Wunder“ sind eher Wunden in diesem „Land der Dichter und Denker“, wo gegenwärtig eher träumerisch gedichtet als logisch und zielführend gedacht wird, oder?

  • #2

    Martin (Sonntag, 03 Mai 2020 11:11)

    Es gibt starkes Dossier vom SPIEGEL, der das ganze Elend minutiös nachrecherchiert und veröffentlicht hat:

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/berlin-flughafen-ber-wie-aus-dem-grossprojekt-ein-debakel-wurde-a-1f30d1ba-26ed-40d9-aa22-72d62895b7a4