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Martin Heß: Jenseits des Konsumterrors!?

Foto: Martin Heß
Foto: Martin Heß
Am 1. Mai erschien in der Wochenzeitschrift Die Zeit ein bemerkenswerter Artikel von  und  zu den ökonomischen Auswirkungen der Krise. Über den möchte ich in diesem Blogbeitrag gerne ein paar Worte verlieren, da er viel Beachtung gefunden und den Diskurs beeinflusst hat.
 
Unter der Überschrift „Brauch’ ich das?“ (Spoiler: Nein!) konstatieren die drei anlässlich der Corona-Krise das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Das ist jetzt nicht besonders originell, liegt sozusagen auf der Hand, wird aber von den dreien ganz originell begründet. Die Krise führe demnach nicht nur zum Absterben einiger   Branchen, und den damit verbundenen heftigen ökonomischen Schmerzen, so die Autoren, sondern auch zu einer allgemeinen Entspannung und lustvollen Entprofessionalisierung anderer Bereiche der Wirtschaft durch Home Office, sowie die allgemeine Reise- und Konsumpause. Der Zeitdruck, die Geißel des Arbeitslebens, sei zurück gedrängt. Durch eingesparte Reise- und Logistikkosten erhöhe sich die Effizienz und Effektivität zahlreicher Prozesse ganz deutlich. (Siehe dazu auch die sehr gute Erklärung des Frankfurter Spieltheoretikers Christian Rieck: https://youtu.be/gJYOXPIsGxs ) 
 
Überraschender Weise vermissten die Menschen dabei vieles gar nicht, das sie vorher für unentbehrlich gehalten hätten! Man habe keine Angst mehr, etwas zu verpassen, weil ohnehin nix los sei. Den Anderen gehe es auch nicht besser. Man reduziere sich auf‘s Wesentliche. Das Konsumklima sEi dadurch allerdings auf einem historischen Tiefstpunkt und das habe möglicherweise fatale Folgen, wenn es andauere.
 
Der Einzelne empfinde keine Kauflust mehr, sondern führe sich im Gegenteil vor Augen, für wie viel Unsinn er für gewöhnlich doch sein Geld ausgäbe und plötzlich erfolge, was die Autoren das „Verstummen der gregorianischen Gesänge im Konsumtempel.“ nennen, den gegenwärtigen Schock-durch-Leere-Zustand, der vorherrscht. Die Läden hätten dann zwar offen, doch die Kunden käsen nicht.
Eine mögliche Ursache: Die materialistisch-psychologische Bindung des Glückes an Konsum ist in diesen sechs Wochen tatsächlich entkoppelt oder zumindest deutlich gelockert worden. Werbung wirkt plötzlich leicht surreal. Sechs Wochen Entzug und die Konditionierungen sind leicht außer Kraft gesetzt. 
 
Für die Autoren ist eine Rezession damit aber unabwendbar, die Deglobalisierung habe bereits eingesetzt. Für ein exportorientiertes Land, wie Deutschland, eine ziemliche Herausforderung. Umso mehr gelte jetzt, worin Adam Smith und Karl Marx übereinstimmten: Der Kapitalismus brauche Konsum, sonst sei er nicht lebensfähig.
 
Daher stehe jetzt alles auf dem Spiel: Löhne, Steuereinnahmen, Sozialkassen ... und es laufe deshalb zwangsläufig auf ein neues Wirtschaftssystem hinaus, auf eine nachhaltig wirtschaftende, intelligente Welt, die nicht bloß auf relativ primitivem Wachstum in Umsatz, Menge, Rendite usw. beruht. Ökonomisch sei das alles rechen- und machbar, so die Autoren. Offen aber bleibe bislang, ob eine Gesellschaft solchen Wandel überhaupt verkrafte. 
 
Zum Artikel auf Zeit-online
Zu den psychologischen Aspekten der Krise siehe auch meinen Aufsatz „Kopf hoch in der Krise!“ unter
https://www.step-online.de/deutsch/Psychologische-Aspekte-der-Krise-413/

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Rudi (Sonntag, 03 Mai 2020 16:43)

    Alles gut nachvollziebar!