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Sigrun Miller: Als Corona noch ein Fremdwort war

Foto: Franck Barske auf Pixabay
Foto: Franck Barske auf Pixabay

Angesichts der Reisebeschränkungen in der Corona-Zeit fällt mir manchmal diese Geschichte ein: 

Meine Freundin Aline kam jeden Sommer als Austauschschülerin zu mir, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, besonders die zur Bereicherung der Party-Unterhaltung mit deutschen Jungs. Zu dieser Zeit war Bad Nauheim am Ortsein- und Ortsausgang, Bad Nauheim-Nieder-Mörlen und Bad Nauheim-Friedberg mit einer beweglichen Schranke ab 19.00 Uhr abgesperrt, damit für die armen lärmgeplagten Kurgäste die Nachtruhe gesichert war.

Gleich am ersten Abend ihrer Ankunft: Verabredung in einem bekannten Szene-Lokal. Erst noch eine Freundin in Ober-Mörlen abholen. Zurück in Alines 2CV durch Nieder Mörlen und dann auf die Frankfurter Straße und mit dem französischen Nummernschild schnurstracks auf die Schranke zu.

 

                                                                      "H a a a a l t !"

 

Ein freundlicher junger Polizeibeamter hielt uns an und fragte: „Wohin die Damen?“ Meine Freundin, sehr wohl der deutschen Sprache mächtig: "Qu‘est-ce qu‘ il veut?“ Ich antwortete: „Je ne sais pas.“

Wir hatten große Mühe, eine Lachanfall zu unterdrücken. Das wäre in den heutigen Zeiten leichter, denn eine Corona-Maske würde einen Blick in ein kicherndes Gesicht verhindern.

Der etwas unsichere Polizist in langsamem, deutlichem Deutsch: „Hier gesperrt, wegen Lärm.“ Ich antwortete mit einem Lächeln: "Je ne comprend pas, merci Monsieur, au revoir“ und deutete meiner Freundin an, um die Schranke herum und langsam Richtung Innenstadt zu fahren.

 

Es wurde ein sehr lustiger Abend! Noch lustiger wurde der nächste Nachmittag, als mein Vater, Leiter des Innendienstes des Bad Nauheimer Polizeiamtes zu Hause von zwei neuen jungen Kollegen erzählte, die am Vortag drei Französinnen aus Mangel an Sprachkenntnis in die Innenstadt fahren ließen.

 

Aline und ich guckten unschuldig.

 

Wenn ich heute daran denke, wünsche ich mir die harmlose Zeit ohne Corona zurück.

 

Sigrun Miller

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