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Rita H. Greve - Rückzugsort

Für mich hat sich seit der Lockerung der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie nichts geändert. Es ist ja auch längst noch nicht vorbei. Und am Montag, eher als ich gedacht habe, wird die Maskenpflicht eingeführt. Erfreulich, dass die Politiker einmal sehr schnell eingesehen haben, dass eine „Empfehlung“ nichts bringt.

 

Ich meide die Stadt und die Menschen, mache weiterhin lange Spaziergänge, entweder am Usa-Ufer entlang in Richtung Nieder-Mörler Obstwiesen oder an blühenden Rapsfeldern vorbei über die Felder gen Ober-Mörlen oder Steinfurth. Nur wenn es unbedingt nötig ist, gehe ich in die Stadt. Ich bleibe zu Hause. Schwer fällt mir das nicht, denn ich habe einen wunderschönen Garten. Er ist wie eine Oase für mich.

 

Ein idyllischer Ort in meinem Garten ist die Hängematte zwischen zwei Apfelbäumen, die zum Tagträumen einlädt. Durch die weiß-rosa Blüten hindurch sehe ich den makellosen, tiefblauen Himmel über mir und genieße die Stille. Ich schaue der Amsel zu, die mit ihrem Küken durch den Garten hüpft und – völlig angstfrei – bei mir stehen bleibt und mich beäugt. Seit Jahren zieht ein Amselpaar in meinem Garten ihren Nachwuchs auf. Es gehört quasi zur Familie.

Eigentlich muss ich nirgendwo anders hin ... Halt! – ein Landstrich fällt mir doch noch ein, an dem ich jetzt – aber nur jetzt – gerne wäre. An fast menschenleeren Stränden der Nordsee lange Spaziergänge zu unternehmen, mit den Füßen im Wasser, den Kopf im Wind... Für ein "Nordlicht" wie mich wäre das wirklich traumhaft. Aber, wie gesagt, nur zum jetzigen Zeitpunkt. Wenn wieder – irgendwann – Reisefreiheit herrscht und die touristische „Völkerwanderung“ gen Norden einsetzt, möchte ich auf  keinen Fall dabei sein. Dann bleibe ich lieber in meinem Garten.Es ist Frühling, alles blüht, herrliches Wetter! Was will man mehr?

 

Man könnte meinen, die Welt sei in Ordnung, wäre da nicht dieses nebulöse, unberechenbare Etwas, das sich auch immer mehr in meinem Kopf breit macht und Besitz von meinem Denken ergreift. Vor der täglichen Informationsflut, die nicht gerade dazu beiträgt, das Gespenst zu verjagen, da sie kaum andere Themen kennt, kann sich ja niemand mehr retten.

  

Vielleicht sollte ich morgen die Feldstaffelei in den Garten tragen, zum Pinsel greifen und wieder anfangen zu malen. Die Malerei hat mir in der Vergangenheit noch immer geholfen, den Kopf frei zu kriegen.

Mal seh`n...

  

Rita H. Greve

 

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