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Petra Ihm-Fahle: Das "Fremdwort" Abstand

Bild: Gerd Altmann auf Pixabay
Bild: Gerd Altmann auf Pixabay

Ich hatte mir überlegt, ein T-Shirt zu gestalten, das die Aufschrift „Der Volltrottel hält keinen Abstand“ trägt. Es ist der Titel eines Artikels, den die „Welt“ im Rahmen eines täglich erscheinenden Corona-Romans veröffentlicht hat. Wohl etwas Ähnliches wie unser Blog – wir sind nicht die einzigen, die die Pandemie täglich dokumentieren. Letztlich habe ich das T-Shirt nicht bestellt, die Aufschrift wäre vielleicht etwas hart. 

Auf den "Welt"-Artikel stieß ich neulich, nachdem mir bei einem Gang zum Bahnhof zahlreiche Leute auffielen, die plötzlich den Mindestabstand von 1,50 m bis 2 m nicht einhielten. Ich hatte daraufhin die Worte „kein Abstand“ gegoogelt, weil mich andere Erfahrungen interessierten. Man kommt sich blöd vor, ständig „Abstand“ zu zischen, trotzdem habe ich es oft getan. Ein Gedanke ist, dass sich die neue laxe Haltung seit dem Besuch des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn in der Uni-Klinik Gießen manifestiert hat: Als er sich mit einer Gruppe anderer Politiker und Ärzte in einen Aufzug quetschte - Gesichtsmaske auf, aber kein Abstand.

Deutschland liegt nach Israel weltweit auf Platz 2 im Management der Corona-Krise, das ist toll. Man kann dies der Politik zugute halten. Trotzdem finde ich es bedenklich, wenn jemand Parolen ausgibt und es selbst nicht befolgt. Spahn hat einige Anzeigen dafür kassiert.

Als nun am Montag die kleinen Geschäfte wieder öffneten, war ich erstaunt, wie sorglos sich viele Passanten in der Bad Nauheimer Einkaufszone verhielten. Nicht alle. Trotzdem sagte ich diverse Male „Halten Sie Abstand!“  

Nachmittags war ich mit meinem Sohn in Friedberg. Vorher meinte er: „Bitte tu mir einen Gefallen und sag in meiner Gegenwart nicht ‚Abstand‘ zu den Leuten.“ Ich hielt mich daran und witzigerweise hatte ich nicht mehr so stark den Eindruck, dass mir Menschen zu nah kamen.

Ich habe mich jetzt entschieden, einfach immer eine Maske zu tragen, wenn ich unterwegs bin und mich nicht mehr aufzuregen. Das ist wesentlich angenehmer.

Wenn nächste Woche die Maskenpflicht kommt, beginnt sowieso ein neues Kapitel.

 

Petra Ihm-Fahle

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