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Martin Heß: Das Virus bringt es ans Licht

Vielleicht ist es mit der Wissenschaft ja doch so, wie mit der Leberwurst: Man ist besser nicht dabei, wenn sie gemacht wird ... Momentan - den Eindruck könnte man gewinnen - finden wissenschaftliche Prüfungsprozesse, Diskussionen über die Qualität von Daten und den daraus ableitbaren Schlussfolgerungen, von Talkshow zu Talkshow statt. 

 

Das ist einerseits faszinierend und für die politischen Entscheidungen, die zwangsläufig sehr viel mit Unsicherheit in einem heftig übersteuernden System zu tun haben, vielleicht sogar notwendig. Man muss dem Bürger - zumal dem deutschen und zumal sie sehr weitreichend sind -  Beschlüsse und Maßnahmen schließlich genau erklären können, wenn er sie nachher freiwillig befolgen soll, obwohl das Ergebnis ungewiss ist. 

 

Andererseits kann das dem Nicht-Wissenschaftler aber auch einen fatal falschen Eindruck vermitteln, nämlich: „Die einen sagen so, die anderen sagen so ...“, so als könne er sich dann auch einfach die Meinung heraussuchen, die ihm beliebt. Wer das behauptet, betreibt Populismus und die daraus folgenden politischen Strategien und ihre Protagonisten sind in dieser Krise spektakulär gescheitert, was sich - traurig genug - an den Kennzahlen und Bodycounts ihrer Länder und Landkreise (USA, GB, Lombardei) ablesen lässt. Mit einem Virus kann man nicht verhandeln

 

Corona hat die Wissenschaft wieder in den Fokus der öffentlichen Wertschätzung  gerückt. Der war ihr in den letzten Jahren etwas abhanden gekommen, als die zielgerichteten Desinformationskampagnen amerikanischer Ölkonzerne zur Diskreditierung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimakatastrophe mit dem Aufstieg der Social Media neue Wucht erfuhren und eine große Verwirrung und Emotionalisierung sich des Themas bemächtigte. Auf die Wissenschaften insgesamt fiel ein schlechtes Licht. 

 

Die Wahrheit schien zunehmend beliebiger zu werden. Das Subjektive hatte das Objektive langsam abgeschafft. Bauchgefühl wurde wichtiger als Expertise. Wenn der Präsident sagte, man habe die Situation unter Kontrolle, dann war das für seine Anhänger so. Wer die Wahrheit sagte, gehörte für sie zur „Lügenpresse“. Doch das Virus entlarvt die wahren Lügen. Es macht Nationen transparenter und rückt die politischen Schwächen jedes Systems und dessen Auswirkungen gnadenlos in das Scheinwerferlicht der internationalen Öffentlichkeit. Gut so.

 

Martin Heß

 

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