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Wilhelm Edel: Kontraste

Bild: Anna Armbrust auf Pixabay
Bild: Anna Armbrust auf Pixabay

Zum Klagen ist absolut und überhaupt kein Grund vorhanden. Die Fische, ein paar „goldene“ und ein paar „scheckige“ in dem Biotop geben sich uneingeschränkt den Freuden und Genüssen dieses Lebens hin. Weitab von allen Problemen, hier genießen sie den Sonnenschein, der das Wasser fast wie Glas erscheinen lässt, sie ruhen und jagen, und wehe dem Insekt, das sich durch das trügerische Glitzern einer spiegelnden Oberfläche verleiten ließ, dem Wasser zu nahe zu kommen. Der Traum von Helligkeit und Wärme und märchenhaftem Glitzern ist für das Tier schnell zu Ende geträumt, aber es war ein Traum und es blieb ein Traum und das Ende vollzog sich in Schönheit. Bis die Realität des Endes mit seinem Schrecken wahrnehmbar wurde, hatte sicher der Tod schon längst seine Schwingen des Vergessens darüber gebreitet.

 

Das ist das andere, das mich belastet. Dieses Etwas trägt den Namen Corona, nicht wahrnehmbar, nicht wahrnehmbar am strahlenden blauen Himmel und doch belastend und bedrückend ist diese schwere, dunkle Wolke, gefährlich und unheilvoll und gerade um ihres anscheinenden Nichtvorhandenseins doppelt schwer zu ertragen, zu akzeptieren, von all den Menschen, die sich ihr unterwerfen müssen. Ich liege auf der großen Terrasse, die selbst schon bald Wald geworden ist und wie ein Refugium auf mich wirkt. Die Wolke droht über einem grünenden und farbenprächtigen Garten, dessen Bäume mit Blüten und jungem Laub diese herrliche Sinfonie von Frieden und Schönheit einer Vollendung nahe bringen. Dies alles kann ich nur erleben, nur in mich aufnehmen, nur in mir zum Leben erwecken in einem tief empfundenen Danke an den, der beides schuf, die Pracht um mich her und mich mitten in ihr.       

 

Da gesellt sich eine spürbare Sorge gleich den bitteren Tropfen des Wermuts in diese Freude am Leben, in dieses Idyll. Was ist mit den vielen Menschen, die keinen Garten haben, die nicht einmal über einen Balkon verfügen, die zu allem Überfluss noch eine kleine Wohnung haben, mitunter viele Kinder? Diese Menschen haben sicher zusätzlich zu kämpfen gegen Enge und Koller. Wir lesen viel in der Zeitung und die Ohren dröhnen von den vielen Nachrichten im TV, was alles geplant ist, über Masken und Schutzkleidung, über Milliarden-Hilfen, über Infizierte, über Geheilte oder Gestorbene. Wurde eigentlich ein Programm entwickelt gegen Enge und Koller, gegen Langeweile und Zoff?

 

An diese Menschen denke ich vornehmlich, wenn ich hoffe, dass der nachlassende Spuk des Covid-19 erste Erleichterungen bringt.

 

Dass das alles vorne und hinten hinkt, dass es viele Meinungen und Gedanken zu dem Thema gibt, das weiß ich. Dazu sind die Probleme zu groß.

 

Wilhelm Edel

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