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W. Edel: Keine schönen Erlebnisse mit Covid-19

Bild: Thomas B. auf Pixabay
Bild: Thomas B. auf Pixabay

Da könnt ich auch gleich mit dem Karfreitag weitermachen, denn der war für mich auch nicht  die Einkehr zur Besinnlichkeit. Beide aber sind Fakten und als solche können sie auch zu Papier gebracht werden.

Eigentlich fühlte ich mich in meiner Haut mit meinen 93 Jahren noch verhältnismäßig gut aufgehoben. Schmerzfreies Schlafen und keine Probleme mit dem Essen ließen die kaputten Knie und die damit verbundenen Schwierigkeiten streckenweise in den Hintergrund treten. Und dann, dann machte sich dieser Virus breit! Ich begegnete ihm zunächst lachend, aber dann kam der Schock! Als die Entscheidung die Runde machte, dass Menschen über 80 Jahre im Elsass nicht mehr behandelt werden, da war es mir, als hätte mich eine unsichtbare Faust gepackt und dort abgestellt, wo ich hingehöre: In der Welt der alten Menschen. Von 80 bis 93, da war das Verfallsdatum doch schon ganz schön überschritten. Natürlich wusste ich das schon lange, aber wenn einem das so knallhart vor Augen geführt wird, da hat man dann, ob man will oder nicht, doch daran zu kauen.

Und dann kam der Karfreitag-Gottesdienst. Er wurde übertragen aus dem Kellergewölbe der Dresdner Frauenkirche. Ein Großteil der Zeit wurde ausgefüllt mit Arien von Johann Sebastian Bach, schwer verständlich und nicht jedermanns Sache. Dann gab es eine kleine Ansprache zu dem Christus am Kreuz. Sie endete bei "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"! Dass dieser Christus durch seinen Tod zum Retter von Sünden und ewigem Tod wurde und sein Leben abschloss mit dem Wort, Ruf oder Schrei: "Es ist vollbracht!", das wurde völlig ausgeklammert. Als man dann noch – an Karfreitag! - das Glaubensbekenntnis von Bonhoeffer verlas, in dem nicht ein einziges Mal der Name Christi erwähnt wird, da bin ich wirklich erschrocken! Da hat es mir leid getan, dass ich so alt bin und nicht mehr die Kraft und die Möglichkeit habe, meine Stimme zu erheben, um die Menschen, die sich nicht nur Christen nennen, sondern auch bemühen, solche zu sein, wach zu rufen.

 

Was will diese Kirche,? Den Herren, dessen Namen sie trägt aus der Kirche hinauszupredigen! Lesen diese Mietlinge von Geistlichen ihre Bibel nicht mehr? Christ bezeichnet sich als den einzigen Weg zum Vater durch seine Erlösungstat am Kreuz!  Herr Jesus Christus! Erbarme Dich Deiner Kirche! Lass es Frühling werden in ihr, dass der Glaube an Dich zu neuem Leben erwache!

 

Wilhelm Edel

Ostern 2020

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