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Andreas Arnold: Wo eine Online-Verbindung ist ...

Anfang März verlief mein Tag noch wie gewohnt: Ab acht war ich im Büro, um meiner Erwerbstätigkeit nachzugehen, gegen fünf trat ich den Heimweg an, und ab da durfte ich fünf Stunden lang versuchen, mit meiner entfesselten Kreativität Schritt zu halten. Dann kamen die ersten Beschränkungen der Corona-Krise und das Bangen begann: Werden die Buchmessen stattfinden, bei denen ich bereits Stände gebucht hatte, die Lesungen und Vorträge, für die ich engagiert war, und wird mein Theaterstück, dessen Premiere Ende April gefühlt noch so fern lag, stattfinden können? Eine Woche später schickte mein Arbeitgeber uns alle mit unseren Laptops ins Home-Office. Tag für Tag löste sich die Grenze zwischen Beruf und Freizeit immer mehr auf, bis ich eines Abends mit kleinen Augen feststellten musste, dass es halb elf Uhr ist, ich immer noch hauptberuflich aktiv bin und das, was ich einst Kreativität nannte, nicht einmal mehr in Fragmenten vorhanden war. Als dann das letzte Märzdrittel begann und mit ihm die Gewissheit, dass alles, was ich kulturell und künstlerisch geplant hatte, nicht stattfinden würde, setzte für mich Tag Null ein. Ich zwang mich, um fünf den beruflichen Laptop zu- und den nebenberuflichen aufzuklappen. Meine Freundinnen und Freunde vom Friedberger HELDEN-Theater und ich begannen wieder fürs Theater zu proben – per Videokonferenz. Auch der Kontakt zu meiner Freundin, meinen Eltern und Freunden fand seinen visuellen Weg über das Internet – eines der Glanzlichter war ein Frühstück zu viert, verbunden über einen Videochat. Durch Corona begann ich, meine Liebsten plötzlich täglich zu sehen, statt sie nur zu hören, und dieser Freude Begleitung war auch die folgende Erkenntnis: Kultur ist Kultur, Kunst ist Kunst, und wo eine Onlineverbindung ist, ist auch ein Weg. Ich habe wieder zu Schreiben begonnen, die erste Kurzgeschichte mit meinem kleinen Romanhelden, dem jungen Bergdrachen Fionrir, habe ich letzten Sonntag per Video für all die kleinen Menschenkinder gestreamt, die nicht, wie gewohnt, mit Gleichaltrigen draußen herumtollen dürfen, und Dienstag nach Ostern wird der erste Band von „Fionrirs Reise“ vollständig als Hörbuch ebenso kostenlos über das Bad Nauheimer JUKA-Radio zu empfangen sein, quasi als Ferienprogramm. Ich habe durch die Krisen erkannt, wie wichtig persönliche Kontakte für mich sind, um ich selbst und damit schöpferisch zu sein. Ich freue mich über die technischen Möglichkeiten und noch mehr, wenn ich sie nicht mehr brauche. Eine Umarmung und der nahe Blick in lächelnde Augen ist unersetzlich.

 

Andreas Arnold

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