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Ernesto Filippelli: Guardare avanti - nach vorne schauen

 

Als Italiener hat mich Corona schon sehr früh beschäftigt. Ich lebe in Bad Nauheim, meine Familie in der Gegend von Bergamo, Mailand und Turin. Anfang März hatte die Corona-Krise in Deutschland noch nicht mit voller Wucht zugeschlagen – aber in Italien.

Damals hatte ich Angst, Angst vor der Zukunft, vor der Ungewissheit. Angst, ob ich krank würde. Ich hatte Angst und machte mir Sorgen um meine Familie, die in Italien lebt und genau dort, wo die meisten Todesfälle sind.

Durch das, was in meinem Herkunftsland gerade passierte, war ich alarmiert. Ich hatte nächtelang schlecht geschlafen und das Gefühl, dass die Lage in Deutschland noch nicht ernst genommen wurde. Und ich bin auch an vorderster Front mit meiner Arbeit im Sozialwesen. Zu meinen Klienten habe ich viel Nähe. Ganz ehrlich, ich fragte mich: „Wäre es besser, zuhause zu bleiben?“ Was war richtig?

Plötzlich hatte ich eine Art Erleuchtung: Ich dachte an letztes Jahr, als mir die Arbeit und die Klienten sehr viel Freude gaben. Sie sind mir ans Herz gewachsen.

Auch in einer Familie ist es so, dass man sich in einer schwierigen Zeit gegenseitig unterstützt. Plötzlich waren alle Ängste weg.

Als tags darauf um sieben Uhr der Wecker klingelte, stand ich auf, trank Espresso und weiter ging’s. Um 8.30 Uhr war ich am Arbeitsplatz. „Buongiorno“, sagte ich zu den Klienten. „Heute malen wir was Schönes.“

Draußen schien die Sonne.

Momentan ist das Wetter ebenfalls besonders schön. Die Corona-Krise hat mir auch einen positiven Schub gegeben. Ich laufe herum und genieße das Licht, ein Lächeln von Menschen.

In dieser Zeit geht man anders, bewusster mit dem Leben um. Viele Dinge, die früher selbstverständlich waren, zum Beispiel Freunde treffen oder zusammen essen gehen, sind jetzt auf einmal weg.

Diese Kleinigkeiten, das Nicht-Materielle, die Beziehungen, werden wichtiger.

 

Man nimmt sich wahr – Guardiamo avanti. 

 

Ernesto Filippelli

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Kommentare: 1
  • #1

    filomena (Samstag, 25 April 2020 19:51)

    ai ragione caro paesano si va avantii e ce la faremo brv ernesto salutami za titina.